Heiliger Lukas: Zum Sonntag der Orthodoxie


Heiliger Lukas: Zum Sonntag der Orthodoxie

Heiliger Lukas
Erzbischof von Simferopol und Krim

Zum Sonntag der Orthodoxie [1]
Am ersten Sonntag der Grossen Fastenzeit feiert unsere Heilige Kirche den Triumph der Orthodoxie, des rechten Glaubens, der alle Häresien niedergetreten hat und auf immer festgelegt worden ist. Deshalb wird dieser Sonntag als Sonntag der Orthodoxie bezeichnet. Die Häresien traten schon am Anfang des Christentums auf. Die Apostel Christi selbst warnten im voraus ihre Zeitgenossen, und mit diesen zusammen auch uns, vor der Gefahr, die ausgeht von den Irrlehrern.

So schreibt der heilige Apostel Petrus in seinem 2. Brief: „Es gab aber auch falsche Propheten unter dem Volk, so wie es auch unter euch falsche Lehrer geben wird, die Häresien zur Verderbnis einführen und sogar noch den Gebieter, Der sie losgekauft hat, verleugnen werden, womit sie einen jähen Untergang über sich selbst bringen werden, und viele werden ihnen folgen in ihren Ausschweifungen, deretwegen der Weg der Wahrheit gelästert werden wird“  (2 Petr 2,1-2).

Und der Apostel Paulus, als er von Griechenland nach Palästina zurückkehrte und in Ephesos Halt machte, sagte zu den Christen jener Stadt: „Denn ich weiß, dass nach meiner Abfahrt schlimme Wölfe einbrechen werden bei euch, die die Herde nicht schonen werden, und aus eurer Mitte selbst werden Männer aufstehen, die Verkehrtes reden, um die Jünger abtrünnig zu machen und sie hinter sich herzuziehen“ (Apg 20,29-30). ‘

Viele falsche Lehrer und Schismatiker dieser Art gab es in den ersten Jahrhunderten des Christentums. Einige Häresien erschütterten die Kirche ganze Jahrhunderte lang, wie zum Beispiel die Häresien des Arius, des Makedonios, des Eutyches, des Dioskoros, des Nestorios und auch die Häresie der Ikonenbekämpfung. Diese Häresien riefen in der Kirche viele Wirren hervor und quälten sie sehr.

Es gab zahllose Bekenner und Martyrer, die ihr Blut vergossen  zur Verteidigung des wahren Glaubens im Kampf gegen die falschen Lehrer und Häretiker. Es gab auch viele und große Hierarchen, die ebenfalls manche Verfolgungen erduldeten und oftmals verbannt wurden. Der heilige Flavianos, Patriarch von Konstantinopel, zum Beispiel wurde an einem Konzil unter dem Vorsitz von Dioskoros, das als „Räuberkonzil“ in die Geschichte eingegangen ist, so heftig geschlagen, dass er drei Tage danach starb.

Die letzte der obenerwähnten Häresien, jene der Ikonenbekämpfung, brachte unserer Orthodoxen Kirche mehr Qualen als irgendeine andere zuvor. Diese Häresie trat erstmals in den Jahren des byzantinischen Kaisers Leon des Isauriers auf, der den Thron im Jahr 717 bestieg. Er bestieg ihn mit Hilfe der Armee, in welcher es viele Gegner der Verehrung der heiligen Ikonen gab. Und weil Leon der Armee gefallen wollte, begann er eine harte Verfolgung gegen die Ikonenverehrer. Diese Verfolgung wurde auch unter Kaiser Konstantin Kopronymos fortgesetzt, der Leon auf dem Thron folgte. „Kopros“ bedeutet Kot, und dieser Kaiser wurde Kopronymos genannt, weil er während seiner Taufe das Taufbecken beschmutzte. Diese beiden Kaiser hielten während langer Jahre die Macht in ihren Händen und fügten der Kirche viel Schlimmes zu. Nach ihnen gab es noch andere Ikonoklasten-Kaiser, die das Werk ihrer Vorgänger fortführten und die Kirche jahrelang quälten.

Die Leiden, die die Kirche in jenen Jahren des Ikonoklasmus durchstand, sind unbeschreiblich, besonders jene der Mönche, die in der Frontlinie  des Kampfes für die heiligen Ikonen standen. Die Ikonoklasten-Kaiser schlossen viele Klöster, und viele Kirchen, in denen es Ikonen gab, verwandelten sie in Lagerräume. Die Mönche wurden schwer gefoltert, man stach ihnen die Augen aus, schnitt ihnen die Nasen ab, man zerschmetterte Ikonen auf ihren Köpfen. Den Ikonenmalern verbrannte man die Finger mit rotglühenden Eisen.

Erst als Kaiserin Irene den Thron von Byzanz bestieg, fand die Verfolgung ein Ende, allerdings nicht für lange. Im Jahr 787 berief Kaiserin Irene das 7. Oekumenische Konzil ein, welches die orthodoxe Lehre über die Verehrung der heiligen Ikonen definierte. Doch auch nach diesem Konzil gab es Kaiser, die die Ikonen bekämpften, wie zum Beispiel Michael und andere. Diese Häresie wurde erst unter der gottesfürchtigen Kaiserin Theodora endgültig zerschlagen, als im Jahr 842 ein lokales Konzil in Konstantinopel einberufen wurde, welches die orthodoxe Lehre bestätigte. Dieses Konzil anathematisierte all jene, die es gewagt hatten, zu sagen, die Verehrung der heiligen Ikonen sei Götzenkult und die orthodoxen Christen seien Götzenanbeter.

Und hier heutzutage sagen unsere Häretiker genau dasselbe. Sie wagen es, unsere Ikonen als Götzenbilder zu bezeichnen und uns als Götzenanbeter. Und zu was erdreisten sie sich nicht! Ich will euch eine Begebenheit erzählen, die sich unlängst in einer Stadt Sibiriens zugetragen hat. Zur Stunde der Göttlichen Liturgie kamen zwei Baptisten in die Kirche und fingen an zu schreien, die Orthodoxen seien Götzenanbeter und ihre Ikonen seien Götzenbilder. Welcher Unsinn!

Wie können sie es wagen, ihren unreinen Mund zu öffnen und solche Worte zu sagen, die von Gift triefen, indem sie uns Götzenanbeter und die Ikonen Götzenbilder nennen? Dies zeigt, dass sie das zweite Gebot des Mosaischen Gesetzes nicht richtig  verstanden haben: „Du sollst dir kein Götzenbild machen, noch irgendein Abbild     von irgendetwas, was am Himmel oben ist oder was auf der Erde unten oder was  in den Wassern unter der Erde. Solches sollst du weder verehren noch  anbeten“ (Ex 20,4).

Was bedeutet dieses Gebot? Ich denke, die Bedeutung ist völlig klar. Das Gebot verbietet uns, statt den Einen, Einzigen und Wahren Gott anzubeten, Götzenbilder anzufertigen und anzubeten, so wie es die alten Völker taten, die Assyrer, die Babylonier, die Ägypter, die Hellenen, die Römer und andere….

Das ist, was der Götzenkult ist. Unsere Verehrung der heiligen Ikonen jedoch, hat sie irgendetwas zu tun mit dem Götzenkult? Gewiß nicht. Die Götzenbilder bildeten etwas ab, das es in Wirklichkeit gar nicht gab, Gebilde der Phantasie. Unsere Ikonen bilden die Wirklichkeit ab. Hat unser Herr Jesus Christus, Den wir verherrlichen und Dessen Ikone wir verehren, nicht unter uns gelebt?  Hat die Allheilige, die der heilige Apostel und Evangelist Lukas gemalt hat, nicht unter uns gelebt? Diese von ihm gemalte Ikone hat die Gottgebärerin selbst gesegnet und gesagt, dass ihre Gnade stets mit dieser Ikone sein werde. Wißt ihr, wieviele Wunder geschehen durch die Ikonen der Allheiligen? Und die anderen Ikonen, bilden nicht auch sie die Personen der Heiligen Gottes ab, die hier auf Erden lebten? Diese Ikonen sind ihr Porträt und keineswegs Götzenbilder. Nur ein gottloser und unreiner Mund wagt es, zu sagen, unsere Ikonen seien Götzenbilder und wir seien Götzenanbeter. Die Gottlosen sollen schweigen, denn das Siebte Ökumenische Konzil hat das Anathema ausgesprochen gegen sie.

Habt keinen Umgang mit Häretikern

Das sollt ihr wissen und euch daran erinnern und keinen Umgang haben mit den Häretikern. Entfernt euch nicht von der Kirche, zerreißt nicht das Gewand Christi. Denkt daran, dass Christus in Seinem Hohepriesterlichen Gebet Seinen Vater darum bat, „dass  sie alle eins seien, so wie Du, Vater, in Mir und Ich in Dir, damit auch sie eins seien in Uns, damit die Welt glaube, dass Du Mich gesandt hast“  (Joh 17,21). Der Herr will die Einheit der Kirche. Die Schismatiker, die Fehler finden in der Lehre der Kirche, entfernen sich von ihr und glauben, dass sie das Heil in ihren häretischen Organisationen finden werden.

Doch wißt ihr, was die großen Heiligen gesagt haben über die Menschen, die das Gewand Christi zerreißen? Der heilige Kyprian, Bischof von Karthago, sagte, dass die Menschen, die sich von der Kirche entfernen und nicht in Kommunion sind mit ihr, selbst dann, wenn sie Martyrer werden,  selbst dann, wenn  sie ihr Blut vergießen, ihre Sünde nicht abwaschen, denn diese schwere Sünde der Abtrennung von der Kirche wird selbst mit Blut nicht getilgt. Und der heilige Hieromartyrer Ignatios der Gottträger sagte, dass derjenige, der ein Schisma hervorruft in der Kirche, das Gottesreich nicht erben wird.

Alle Häretiker aber sind Verkünder von Schismen. Deshalb sagt der Apostel: „Doch ich bitte euch, Brüder, nehmt euch in acht vor denen, die entgegen der Lehre, die ihr  empfangen habt, Spaltungen und Ärgernisse hervorrufen, und wendet euch ab von ihnen“ (Röm 16,17). Und in einem anderen Brief sagt er: „Wenn euch jemand etwas anderes verkündet als das, was ihr empfangen habt, so sei er Anathema“ (Gal 1,9). Und alle Häretiker verkünden etwas anderes als das, was die Orthodoxe Kirche verkündet, die uns geistig geboren hat.

Gedenkt auch des Wortes unseres Herrn Jesus Christus Selbst, Der zu den Aposteln sagte und durch sie zu uns sagt: „Wer auf euch hört, hört auf Mich, und wer euch verwirft, verwirft Mich. Wer aber Mich verwirft, verwirft Den, Der Mich gesandt hat“  (Lk 10,16). Schrecklich sind diese Worte des Herrn. Habt sie allezeit im Sinn. Auch den heutigen Tag vergeßt niemals, den Tag des Triumphs des Orthodoxen Glaubens.  Dieser Glaube ist endgültig am 7. Ökumenischen Konzil definiert worden, welches die Orthodoxie gefestigt und sämtliche Häresien und Schismen nieder-getreten hat.

Mehr als tausend Jahre sind vergangen seit dem 7. Ökumenischen Konzil, und seither hat es keine weiteren Ökumenischen Konzile gegeben. Warum? Die Gründe sind politischer Art. Die Möglichkeit, solche Konzile einzuberufen, war nicht gegeben. Doch betrüben wir uns nicht darüber, dass es keine weiteren gegeben hat und dass es auch heute keine Ökumenischen Konzile gibt. Diese sieben, die wir besitzen, haben alle Fragen geregelt und alle Probleme gelöst, die der Kirche durch die Häresien erwachsen sind, und sie haben den orthodoxen Glauben festgegründet.[2]

Nun  werdet ihr einwenden, dass wir heute eine Vielzahl von neuen Häresien und Schismen haben. Ja, ihr habt recht. Doch wir müssen wissen, dass diese neuen  Häresien nichts Neues sagen, sondern bloß das wiederholen, was schon die alten Häretiker sagten. Und alle diese Häresien stehen unter dem Anathema des 7. Ökumenischen Konzils. Deshalb genügen uns die Beschlüsse der Sieben Ökumenischen Konzile und insbesondere des siebten. So freuen wir uns denn heute und feiern den Triumph der Orthodoxie, die das Siebte Ökumenische Konzil zum Ausdruck gebracht und gefestigt hat.

Aus eben diesem Grund wurde dieser Tag bestimmt, damit Gott Lobpreis und Danksagung dargebracht werden für die Festigung der Orthodoxie. Und diese Doxologie wollen wir nun singen.
Quelle: www.prodromos-verlag.de    http://www.impantokratoros.gr/sontag-orthodoxie.de.aspx

***

[1] Der vorliegende Text stammt aus dem Sammelband Αγίου Λουκά Αρχιεπισκόπου Κριμαίας, Λόγοι και Ομιλίες, Τόμος Α’  (Heiliger Lukas, Erzbischof der Krim, Abhandlungen und Homilien, Band 1), Verlag Orthodoxos Kypseli, Thessaloniki, im Internet zugänglich auf der Webseite http://www.impantokratoros. Übersetzung aus dem Griechischen vom Kloster des Hl. Johannes des Vorläufers, Chania 2012. Über den heiligen Hierarchen, Uneigennützigen Arzt Lukas den Wundertäter  (1877-1961), siehe Das Synaxarion, Die Leben der Heiligen der Orthodoxen Kirche, Bd. II, Chania 2006,  am 29. Mai (11. Juni nach dem Alten Kalender).
[2] Im „Synodikon der Orthodoxie“, das am Sonntag der Orthodoxie  feierlich proklamiert wird (s. Triodion, 1. Fastensonntag, nach dem Orthros), sind auch die Beschlüsse späterer Konzile eingeschlossen, die ebenfalls von ökumenischer Tragweite sind, nämlich vorab jene des obenerwähnten Konzils von 842, sodann jene des Konzils, ebenfalls in Konstantinopel, von 880, mit welchem der häretische Zusatz des Filioque zum Glaubensbekenntnis verurteilt wurde, sowie das Konzil, abermals in Konstantinopel, von 1351, mit welchem die Lehre über die ungeschaffenen Energien Gottes sowie über die Natur der Gnade ausdrücklich als Glaubensregel der Orthodoxen Kirche anerkannt und deren Bekämpfer  anathematisiert worden sind (s. hierzu Das Synaxarion, Gedächtnis des hl. Photios d. Großen am 6. Februar und des hl. Gregor Palamas am 14. November).

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